Rückschnitt nach der Pflanzung
Gesunde Bäume besitzen ein natürliches Gleichgewicht zwischen Krone und Wurzeln. Dieses wird gestört, wenn der Baum gerodet wird, da jeder Baum beim Roden unweigerlich einen Teil seiner Wurzeln verliert. Dadurch können die Wurzeln weniger Wasser in die Krone transportieren, was Stress verursacht. Der Baum reagiert darauf, indem er weniger und kleinere Blätter bildet und damit seine Blattfläche verringert. Ist der Wassermangel zu gross, stösst der Baum sogar Holz in der Krone ab, wodurch die Gefahr besteht, dass der Habitus beeinträchtigt wird. Daher ist Bewässerung in den ersten zwei Jahren notwendig, doch dies allein reicht häufig nicht aus. Während langer Wärmeperioden oder bei extrem hohen Temperaturen kann es passieren, dass das Laub vertrocknet, obwohl der Ballen feucht ist. Die Wurzelkapazität reicht dann schlicht nicht aus, um die benötigte Wassermenge in die Krone zu transportieren. Mehr zu wässern ist in diesem Fall keine Option und hat lediglich nachteilige Folgen wie Sauerstoffmangel und Wurzelfäule. Die einzige Lösung besteht darin, den Wasserbedarf zu verringern und den Baum zurückzuschneiden. Vorzugsweise bereits unmittelbar bei der Pflanzung, damit verhindert wird, dass die Bäume unter Spitzenperioden stark leiden. In den ersten zwei Jahren werden die Kronen dadurch etwas weniger Volumen haben, aber die Bäume leiden weniger unter Stress, wachsen schneller an und entwickeln sich anschliessend besser.
Der Rückschnitt erfolgt im ein- oder zweijährigen Holz. Das dicke Holz in der Krone muss erhalten bleiben. Es enthält Reservestoffe, die der Baum benötigt, um neue Wurzeln zu entwickeln. Es ist nicht notwendig, das gesamte vorhandene ein- und zweijährige Holz aus dem Baum herauszuschneiden. Bäume mit viel Holz in der Krone benötigen einen kräftigen Rückschnitt, Bäume mit wenig Holz in der Krone, wie beispielsweise ein Ailanthus, werden jedoch nur minimal zurückgeschnitten. Um den Habitus des Baumes nicht zu beeinträchtigen, sollten Sie die Endknospen erhalten und nur Seitentriebe entfernen.
Lesen Sie hier das Interview mit Cees van Casteren über den Rückschnitt nach der Pflanzung.
Stammschutz gegen Sonnenbrand
Leider kommt dies immer häufiger vor: Risse am Stamm durch Überhitzung. Der Wassertransport im Stamm schützt die Zellen der Rinde normalerweise vor Überhitzung, nach der Pflanzung wird jedoch weniger Wasser in die Krone transportiert und dieses Kühlsystem funktioniert nicht ausreichend. Dadurch ist der Stamm der Gefahr von Sonnenbrand ausgesetzt. Die untergehende Sonne ist der grösste Übeltäter, da sie senkrecht auf den Stamm scheint und die Zellen mit ihrer Wärme so stark erhitzen kann, dass diese zerstört werden. Daher ist Sonnenbrand meist auch an der Westseite des Baumes sichtbar.
Vor allem Bäume mit glatter und dünner Rinde sind sehr anfällig und müssen geschützt werden. Dies kann durch Umwickeln des Stammes mit Kokos- oder Schilfmatten erfolgen. Bäume mit rauer Rinde und von unten verzweigte Bäume sind weniger anfällig und benötigen meist keinen Schutz.
Achtung: Früher wurde der Stamm häufig mit Jute umwickelt, die Praxis hat jedoch gezeigt, dass dies nachteilige Folgen haben kann. Da die Jute eng um den Stamm gewickelt ist, kann sich darunter Hitze stauen. Die Temperatur kann dann stark ansteigen, was negative Folgen für die Rinde und den übrigen Baum hat